Am Großen Deich
Treffen 3.09 Nicole&Pit

Der Blick ins Kinzigtal und auf Schloss Ortenberg, den ehemaligen Sitz der Ortenauer Landvögte, zeigt eine gezähmte Kinzig: der Karlsruher Ingenieur Tulla führte zu Beginn des 19. Jahrhunderts die Kinzigkorrektion durch. Der Durchstich hier am Großen Deich erfolgte 1819.
Die Kinzig floss zuvor in vielen Armen zum Rhein und der heutige Mühlbach war ein natürlicher Seitenarm.
Gegen die Hochwasser schützten sich die Menschen mit niederen Dämmen oder “Landvesten”. Dieser Dammbau war Frondienst; er musste auf Befehl des Landvogts unentgeltlich verrichtet werden.
1608 wurde “der ober große Theuch an der Künzig, so vor 16 Jahren erpaut worden, durch die große Wassergüß zerrissen”. Bereits damals gab es eine Stellfalle, deren Bedienung dem Ortenauer Teichmeister oblag. 1573 musste dieser “geloben und schwören, wenn das Mühlwasser klein (der Wasserstand zu niedrig) ist, soll er auf der Müller Begehren auf dem Teuch das Wasser schwellen mit Dielen”. Außerdem musste er bei Frostgefahr das Wasser mit einem Schiff eisfrei halten, war also auch “Eisbrecher”.
Im 19. Jahrhundert ging die Mühlbachkontrolle an die städtische Bachgenossenschaft über, die einen Schleusenwärter anstellte. Für diesen wurde 1864 das Wärterhaus erbaut.
Strandbad Großer Deich

Vor der Errichtung abgegrenzter und bewachter Strandbäder sprang man nach Lust und Laune in Kinzig und Mühlbach. Im Notfall war dann Hilfe selten in der Nähe. 1821 stiftete die trauernde Witwe Arnold ihrem Mann einen Bildstock bei Zunsweier mit dem Text:
Jung sank er unter im Kinzigbade, aber sein Geist stieg zu Gott, denn er war gut”.
1925 eröffnete die Stadt Offenburg ein “Luft- und Sonnenbad am Großen Deich”, nachdem zuvor Bauern wiederholt über zertrampelte Wiesen geklagt hatten, “das Gras sei zum Verfüttern unbrauchbar, da durch die Badenden Stegnadeln und sonstige Verunreinigungen sich vorfinden”.
Die Geistlichkeit sah zwar das Anstandsgefühl verletzt, “da sich die Badenden ohne Trennung der Geschlechter auf freier Wiese ausziehen”, die Bevölkerung machte aber sofort regen Gebrauch von diesem ersten gemischten Bad. Rettungsdienste und Fahrradschuppen, Aborte und Kabinen wurden errichtet. Ein gewitzter Bürger beantragte, seinen Hund als Rettungshund anzuerkennen, was ihn von der Hundesteuer befreit hätte. Eine Prüfung durch den Gemeinderat erwies aber die Untauglichkeit des Tieres, das jeden Badenden, also auch beste Schwimmer, aus dem Wasser holen wollte.
1955 ergaben Wasserproben, dass auch Colibakterien hier badeten, denn die Kinziggemeinden hatten noch keine Kläranlagen. 1957 erfolgte deshalb das amtliche Badeverbot, das anfangs aber oft missachtet wurde, so sehr war der Große Deich beliebt. Sogar die Verbotsschilder wurden fortwährend gestohlen.
